Rezension: Meligala von Alex Jung

Titelseite Meligala - AAVAA Verlag
Titelseite Meligala - AAVAA Verlag
Spannender Thriller, der auf einen Urlaub in Griechenland einstimmen kann und mit dem Land, seinen Leuten und seiner jüngeren Geschichte vertraut macht

Die spannende Geschichte spielt auf dem südwestlichen Finger des griechischen Peloponnes, in Messenien. Man spürt, dass der Schweizer Autor Alex Jung diese Gegend, die seine Wahlheimat geworden ist, kennt und liebt. Ihre Dörfer, ihre Olivenhaine, das Meer mit seinen Inseln breiten sich vor dem Leser aus.

Treffende Beobachtungen griechischen Alltags

Die Stärke des Romans sind jedoch nicht seine Landschaftsbeschreibungen. Es sind vielmehr die witzigen Dialoge, die spannende Handlung und vor allem die treffenden Beobachtungen griechischen Alltagslebens. Letztere machen das Werk zu einem idealen Reisebegleiter beim Griechenlandbesuch, der unterhaltsame Urlaubslektüre mit einer Einführung in griechische Wesensart und Lebensumstände verbindet. Der Leser wird mit Gestik und Körpersprache vertraut gemacht. Er stößt auf bürokratische Eigenheiten wie die unverzichtbare Steuernummer, die A.F.M. (ausgesprochen afimi). Er lernt Bräuche und Sitten kennen, taucht in die Dorfgemeinschaft ein und trifft auf die Neugier der Nachbarn untereinander ebenso wie auf deren Hilfsbereitschaft.

Kleine Einführung in die griechische Sprache inklusive

Sogar ein wenig Griechisch wird der Leser dabei lernen. Denn viele griechische Worte und Redewendungen fließen in den Text ein. Die meisten werden erklärt. Ab und zu unterbleibt das oder geschah viele Seiten vor dem erneuten Auftauchen des Begriffs. Das lässt den Wunsch nach einem kleinen Anhang mit Übersetzungen der verwendeten griechischen Worte aufkommen, der leider fehlt. Wirklich störend ist dieses Manko aber nicht. Denn das meiste ergibt sich aus dem Kontext. Vielleicht ist es auch ein Kunstgriff des Autors, durch die dauernde Konfrontation mit der griechischen Sprache beim Leser das Gefühl zu wecken, selbst in Griechenland unterwegs zu sein, gelegentliche Verständnisschwierigkeiten inklusiv.

Traurige Kapitel griechischer Geschichte werden wach

Die Handlung plätschert jedoch nicht in der Dorfidylle des heutigen Messenien dahin. Ausgelöst durch zwei Todesfälle tut sich der Blick auf eine düstere, noch gar nicht so weit zurückliegende Epoche griechischer Geschichte auf. Anhand eines Familiendramas wird gezeigt, wie die Kriegswirren während und nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein erbitterter Bürgerkrieg im Land tobte, tief in das Schicksal einzelnen Personen hineinwirkten. Meligala lautet der Buchtitel. Darunter steht: Kein Ort, wo Milch und Honig fließen. Denn, obwohl der Ortsname Meligala(s) die beiden griechischen Worte für Honig (meli) und Milch (gala) enthält, ist die traurige Wahrheit, dass dort viel Blut vergossen wurde.

Drei verschiedene Druckformate erhältlich

Praktisch gerade für eine Reiselektüre, dass es das Buch in drei verschiedenen Druckformaten gibt: Als normales Taschenbuch, als Minibuch und mit extra großer Schrift.

Alex Jung: Meligala. AAVAA 2010, Taschenbuch 265 Seiten (oder Großdruck oder Minibuch (14x10 cm) 405 Seiten ) Euro 9,95

Heidi, HeidiJovanovic

Heidi Jovanovic - Heidi Jovanovic arbeitet als Autorin, Übersetzerin und freie Journalistin für Printmedien wie die Augsburger Allgemeine Zeitung ...

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